Art Projects by KIR

FELIN Role Models im Spiegel – Pionierinnen der Macht im Gesundheitssystem

Eröffnung der Wanderausstellung Role Model im Grazer Kunsthaus am 5. März 2026. Ich durfte das Role Model Alexandra Fuchsbichler porträtieren – quasi mit verbundenen Augen (ich bekam nur ein anonymisiertes Interview zu lesen) und es scheint, dass ich intuitiv ihre oftmalige Zusammenarbeit mit anderen Frauen getroffen habe. Hier ein ORF Bericht dazu.

“beihilfe” im KZ-Trakt von Schloss Lind 2025

 Ohne die Beihilfe der Vielen hätte das Massenmorden nicht stattfinden können. Dazu eine Ausstellung von drei-dimensionalen Comics – in Gedenken an die Opfer! (ORF Beitrag)

“Hirnvernebelung”

Das neue Spiel des Lebens 2025. Bald spielen wir es mit euch!

Das Spiel des Lebens geht weiter. Februar 2025 haben Marcus Neustetter und ich das erste Spiel mit Worten, Bildern und Geschichten entwickelt.

Saustallgalerie, Schloss Lind 2024

 Kreidezeichnungen “Hinter Türen” in Interaktion mit der Türeninstallation von Aramis und Andreas Staudinger vor der Saustallgalerie von Schloss Lind.

 

 

Der Steirische Dekameron 2024

Im jahrhundertealten Dekameron von Giovanni Boccaccio flüchten während der Pestzeit zehn junge Adelige aus Florenz auf‘s Land und erzählen sich Geschichten.

Davon angeregt, treffen sich während des letzten Coronasommers 2022 in einer steirischen Kleinstadt zehn Menschen, die sich inmitten der herausfordernden Coronazeit an malerischen Orten versammeln. Während die Welt draußen von Unsicherheit und Isolation geprägt ist, entscheiden sie sich, ihre eigenen Geschichten zu weben – Geschichten, die von Liebe, Verlust, Hoffnung und der Vielfalt des Lebens erzählen.

“Der Steirische Dekameron” ist eine Hommage an Boccaccios Meisterwerk, die die zeitlose Kraft von Geschichten feiert und gleichzeitig einen Blick auf die menschliche Resilienz inmitten der größten Herausforderungen wirft.

Autor:innen: Anna Philomena Stocker, Barbara Regger, Christine Pokorny, David Hancock, Gunilla Plank, Heide Zeiringer, Karin Reinprecht, Klaus Maier, Thomas Perner, Vivian Simbürger

Copyright©Herausgeberin Karin Reinprecht für die Autor:innen

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Schloss Lind 2023

Dreidimensionale Heimatromane präsentierte ich unter dem Titel “Groschen Graphics” in der Bibliothek des Schloss Lind/das ANDERE heimatmuseum, in Neumarkt in der Steiermark. Sie erzählen neue Heimatgeschichten auf Basis von Zitaten aus alten Heimatromanen und Fotos, beides Zufallsfunde aus Dachböden im Bezirk Murau. Das dreidimensionale Erzählen der Geschichten als ‚Groschen graphics‘  ist ein Versuch, einerseits graphic novels ‚begreifbar‘ zu gestalten, und andrerseits Heimatromane als positiven Abdruck des realen Lebens am Land, einst und jetzt, zu verstehen – die dunklen Seiten bleiben unsichtbar, sind aber durch ihr Weglassen in den Heimatromanen zu erahnen.

Die Dreidimensionalität der Groschen Graphics soll verdeutlichen, wie viele andere Leben sich vor denselben oder ähnlichen Kulissen abgespielt haben.

ORF Matinee Bericht August 2023

What Kafka Forebode, Secession Wien 2022

Mara’nd’Ana 2022

Das war eine typische gemeinsame Produktion – Video für die Vaginale des Lungauer Kulturvereins 2022 – mit Su Schweiger: voller Lachen und sich aufschaukelnden Ideen!

 

Spiel des Lebens 2021

„Traumtuch“

In einem alten Haus im Bezirk Murau habe ich ein Leintuch gefunden, das elfmal
gestückelt war. Die Armut sichtlich zu groß, um sich ein neues großes Tuch zu
leisten. Im gleichen Haus fanden sich mehrere Kisten mit Groschenromanen wie
Heimatromane, Fürstenromane, Arztromane sowie schön zusammengenähte
Sammlungen von Fortsetzungsromanen aus Tageszeitungen. Die ältesten davon aus dem Jahr 1910.
In der Installation in einem Garten in Murau ist dieses elf-mal gestückelte Leintuch zu sehen – jedes einzelne Stück bemalt mit einer Szene aus einem der vorgefundenen Groschenromanen. Neben dem Bett mit dem Traumtuch finden sich Bilder von Schnappschüssen aus 100 Jahren auf alte Holzstücke gemalt.

Das Spiel: BesucherInnen erfinden die Geschichten, die sich in den Schnappschüssen abgespielt haben könnten und  auf dem “Traumtuch” geträumt wurden. (Die erzählten Geschichten wurden 2023 im Schloss Lind als drei-dimensionale Groschen Graphic präsentiert)

Spiel des Lebens in Murau,  2021 – mit 7 KünstlerInnen

Das Spiel des Lebens besteht aus sechs Spielfeldern, die an öffentlichen Orten in Murau verteilt sind. Ziel ist es, mit partizipativen Mitteln eine Geschichte zu erarbeiten. Sieben Künstler:innen haben hierfür sieben Themen bearbeitet, die übergreifend von Spielfeld zu Spielfeld fließen.

Das Spiel des Lebens vereint sieben Spielfelder, die von sieben lokalen und internationalen Künstler: innen bespielt werden: Bronwyn Lace, Susanne Schweiger, Vivian Simbürger, Karin Reinprecht, Marcus Neustetter, Reinhard Simbürger und Armin Seidl. Die Spielfelder, für die die Künstler:innen eigenen Themen erarbeitet haben, sind über den öffentlichen Raum der Stadt Murau verteilt.

Die Spiele werden gemeinsam mit dem Publikum aufgeführt, das sich in den meisten Fällen in die Darstellung oder Durchführung einbringen kann. Jedes Spielfeld kann während der Dauer des steirischen Herbstes auch besucht werden, wenn gerade keine Aufführung stattfindet – das heißt, auf dem Spielfeld findet man Informationen zu dem entsprechenden Spiel und man kann in der Regel mit Texten und Bildern selbst dazu beitragen.

Das Spiel des Lebens steht für individuelle Kunst, die in Zeiten von Trennung und Isolation das Prinzip des gemeinschaftlichen Kreierens betont.

Zurück … nach Murau 2021

Mit „Wer darf? Wer muss?“ spricht Karin Reinprecht in ihrem Poster und Video soziale Regeln und Machtverhältnisse an, die manche Murauerinnen und Murauer zum Schweigen bringen und damit wertvolle Ideen und Mitarbeit unterdrücken.

Video: „Wer darf? Wer muss?“

ZURÜCK … nach Murau 2021


 

“beihilfe” im Kz-Trakt von Schloss Lind

Charakterzwerge und Opportunisten, die bei den Nazis die große Karrierechance sahen wie viele Personen in der Justiz, in der Wissenschaft, im Filmgeschäft oder im Musikgeschehen. Gefälliges Hinnehmen also vom Schaden eines Anderen, den man meistens kannte, für einen besseren Posten. Oder die geschätzten 30.000 Unternehmen in Österreich, die jüdischen Geschäftsleuten quasi entschädigungslos weggenommen wurden und von der lokalen Konkurrenz billigst übernommen wurden. Auch hier waren also oft Personen beteiligt, die sich kannten.

Einer der mächtigen Massenmörder in seinem intimen Ich eine lächerliche Person…

Circa 6.000 Klaviere wurden aus Haushalten geraubt und zusammengetragen – zum Großteil wurden sie nicht mehr zurückverlangt…. Was geschah denen, die einst auf diesen Klavieren spielten?

Wer fühlt sich durch Jugendliche bedroht, die einen scheinbar wilden Tanz tanzen und frech und ausgelassen sind? Nazis, Leute mit beschränktem Horizont …Sie wollen sie stoppen durch verunglimpfende Zeitungsartikel, in dem man die nicht volkstanzenden „Swings“ verächtlich machen will, bis schließlich durch KZ-Gefangenschaft für viele dieser jungen Leute. Nach dem Krieg kommen sie aus ihren Kellern und Verstecken und werden zum Beispiel zu den Jazz Legenden Fatty George und Joe Zawinul.

„Unseren Juden is nix passiert.“ So habe ich es als Kind in Murau gehört bei Fragen in der Schule. Von anderer Seite wurde mir schon eingeschärft, wen ich nicht zu grüßen hätte, weil sie alte Nazis seien. Schließlich, nach langer Abwesenheit von Murau, die große Erkenntnis durch die Ausstellung und das Buch von Uli Vonbank-Schedler und Werner Koroschitz: „Unsere Juden“ wurden beraubt und vertrieben, schließlich manche von ihnen ermordet, anderen, denen die Flucht gelang, konnten nie mehr in der alten Heimat, bei den früheren Freundinnen, Nachbarn, Geliebten … Fuß fassen.

„Der Weg ist kurz“ (vom Wegsehen, Schweigen, einer kleinen Unterlassung, einer kleinen Gemeinheit, einem Verrat) „bis zum Massengrab.“ Zitat aus Film 1946, ‚Die Mörder sind unter uns‘. Hier einige Szenen von kleiner und großer Gemeinheit, Bosheit, Verrat – die schließlich die großen menschlichen Katastrophen von Holocaust und Krieg ausmachten. Wie viele Figuren in dieser Ausstellung sind sie ohne Hintergrund, weil sie sich vor dem Hintergrund heutiger Räume und Landschaften genauso abspielen könnten.

Kinder von Izieu: Kinder, meistens in Deutschland, Österreich geboren, haben ihre jüdischen Eltern durch deren Verhaftung, Deportation, Tod in KZ und Gefangenschaft verloren. Nach angstvollen Irrwegen von Versteck zu Versteck durch Frankreich finden sie Zuflucht in Izieu, wo einige Einwohner:innen, erfahrene Fluchthelfer:innen sowie Gemeindebeamte für sie ein leerstehendes Haus herrichten und sie betreuen. Schon bald wird Frankreich von den Alliierten befreit sein, da wird der Mörder und Folterer in Lyon auf die Kinderzuflucht auf dem Land aufmerksam gemacht. Durch ihn direkt werden die Kinder und ihre Betreuer:innen gefangen genommen. Alle Kinder und die meisten Betreuer:innen kommen im KZ Auschwitz um.

Ein weiterer unerträglicher Wahnsinn: die 14-jährige Tochter reist zum Gefängnis und Arbeitslager Breitenau, um ihre Mutter Lilli Jahn zu besuchen und später unter großen Gefahren von weitem zu sehen, geht als Halbjüdin zur Gestapo, um sie freizubekommen und wird bedroht, und der nicht-gefährdete Ehemann stößt seine Frau mit einer Ehescheidung (eine arische Kollegin bietet in den 1940ern ein schöneres Leben) trotz eindeutiger Warnung in KZ und Tod und bequemt sich auch nicht trotz dem Flehen seiner Kinder und von Bekannten zur Gestapo zu gehen, um das herrschende Recht einzufordern.

Tarockkarten sind genau gespiegelt. Diese Karten sind auch gespiegelt und unterscheiden sich oft nur durch kleine Details – der kleine Unterschied im kurzen Augenblick, der die menschliche Entscheidung von der unmenschlichen unterscheidet. Als wir mit gemeinsam mit 12 Menschen – ihre Namen befinden sich bei der Zitatenliste – diese Karten herstellten, gedachten wir einiger der Mutigen, die für die menschliche Entscheidung Schweres auf sich nahmen.

Die Hirnvernebelung, die viele zugelassen haben, um nicht aus dem Himmel der Begeisterung für die Naziideologie in das Verlies des Entsetzens über die Realität von Verfolgung, Raub und massenhaften qualvollen Tod zu fallen.

Beihilfe

beihilfe

Zuerst war es bei vielen der kleine Vorteil, eine bessere Verdienstmöglichkeit, dann ein bedeutender Schritt auf der Karriereleiter, ein Arbeitsplatz, ein Koffer mit nützlichen Dingen, schließlich eine schöne Wohnung, große Gewinne durch fast kostenlose Arbeiter und die billige Übernahme von Konkurrenzbetrieben.

Zuerst war es Schweigen zu Ausgrenzung und Anschwärzen von Juden, politisch Andersdenkenden, Sinti/Roma, Homosexuellen, Zeugen Jehovas, Osteuropäern … dann Duldung des Verschwindens von Nachbarinnen, Kollegen und Geschäftspartnern, bis zur aktiven Anzeige bei Behörden und NS Organisationen von den Gebrandmarkten und Unliebsamen.

Ohne diese Beihilfe der Vielen hätte das Massenmorden nicht stattfinden können.

Eine oder zwei falsche Entscheidungen und der Weg zur Beihilfe ist beschritten, der Weg zum Opportunisten, zur Mitläuferin, zum Profiteur, zum Täter und zur Verleugnung. Ohne sie, die Beihilfe der Mehrheit, hätten die Katastrophen von Holocaust und 2. Weltkrieg nicht stattfinden können.

„Hör auf mit den Geschichten, ist ja alles schon nimmer wahr! Das interessiert ja niemanden mehr.“, hört man bei uns oft. Es ist aber falsch.

Die Vergangenheit ist erstens nicht vorbei – Traumata und Verleugnung wirken in Familien und heutiger Politik nach, unrechter Besitz ist noch in den Händen direkter Nachkommen.

Und zweitens kann dies alles wieder geschehen.

In den drei-dimensionalen Bildgeschichten stehen die Figuren oft ohne Hintergrund oder lösen sich vom Hintergrund – deshalb, weil ihre Geschichten sich auch vor den heutigen ‚Kulissen‘, in unseren Straßen, Häusern, Computern abspielen könnten. Sie könnten im Heute stehen.

Meine Erkenntnis aus dem Schock meiner zufälligen Exzerpte aus den hier vorliegenden Büchern über der Nazizeit ist: Damit wir nicht Beihilfe leisten zu heutiger Unmenschlichkeit ist genau das notwendig: Menschlichkeit.

signed: KIR